Umbrien entdecken: Die 10 schönsten Sehenswürdigkeiten der grünen Region Italiens
Wer Italien sagt, denkt zuerst an die Toskana. Dabei liegt gleich nebenan eine Region, die alles bietet, was das Herz begehrt – und das oft ohne die überwältigenden Touristenmassen: Umbrien, das grüne Herz Italiens. Sanfte Hügellandschaften, mittelalterliche Dörfer auf Felskuppen, duftende Trüffelwälder und eine Küche, die für sich allein schon eine Reise wert wäre. Wer hier ein Ferienhaus bezieht, hat die ideale Ausgangslage, um eine der vielfältigsten Regionen Italiens zu erkunden. Diese zehn Sehenswürdigkeiten sollten auf keiner Reiseliste fehlen.
1. Assisi – Geburtsort des heiligen Franziskus
Kaum eine Stadt Umbriens zieht so viele Besucher in ihren Bann wie Assisi. Die mittelalterliche Bergstadt thront auf dem Monte Subasio und ist weithin sichtbar – schon von weitem erkennt man die wuchtigen Mauern der Basilika San Francesco, die seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ober- und Unterkirche sind ein Gesamtkunstwerk des Mittelalters: Giottos Fresken in der Oberkirche gelten als Meilenstein der abendländischen Malerei.
Assisi ist aber mehr als ein Wallfahrtsort. Die kopfsteingepflasterten Gassen, die Piazza del Comune mit dem antiken Minerva-Tempel und die stille Atmosphäre bei Sonnenuntergang machen den Ort zu einem der schönsten in ganz Italien.
2. Perugia – die lebendige Hauptstadt
Perugia ist keine Museumstadt. Die Hauptstadt Umbriens liegt auf einem 450 Meter hohen Hügel und verbindet etruskisches Erbe, mittelalterliche Architektur und ein modernes Universitätsleben auf bemerkenswerte Weise. Das Herz schlägt auf der Piazza IV Novembre, wo die gotische Fontana Maggiore und der Palazzo dei Priori – Sitz der Nationalgalerie Umbriens – die Besucher empfangen.
Unter der Stadt verbirgt sich die Rocca Paolina, eine päpstliche Festung aus dem 16. Jahrhundert, deren unterirdische Gänge heute mit Rolltreppen erschlossen sind. Wer im Juli kommt, erlebt das Umbria Jazz Festival, eines der renommiertesten Jazzfestivals Europas. Im Oktober dreht sich alles um Schokolade: Der Eurochocolate-Markt verwandelt die ganze Innenstadt in ein duftendes Fest.
3. Orvieto – die Stadt auf dem Tuffstein
Orvieto liegt auf einem schroffen Tuffsteinfelsen und überragt die Ebene mit einer Dramaturgie, die Reisende seit Jahrhunderten fasziniert. Der Dom von Orvieto, begonnen im 13. Jahrhundert, ist mit seiner goldglänzenden Mosaikfassade eines der eindrucksvollsten gotischen Bauwerke Italiens. Im Inneren sind die Fresken Luca Signorellis in der Cappella di San Brizio schlicht atemberaubend.
Dazu kommen der Pozzo di San Patrizio – ein 62 Meter tiefer Doppelwendeltreppenbrunnen aus der Renaissance – sowie das unterirdische Labyrinth aus etruskischen Tunneln, das sich unter der Stadt erstreckt. Obendrauf gibt es den Orvieto Classico, einen der bekanntesten Weißweine Italiens, der in den Weinbergen rings um die Stadt wächst.
4. Cascata delle Marmore – Europas höchster Kunstwasserfall
Die Cascata delle Marmore bei Terni ist ein Naturschauspiel der besonderen Art: Mit 165 Metern Fallhöhe ist sie der größte von Menschenhand geschaffene Wasserfall der Welt – angelegt von den Römern im Jahr 271 v. Chr. Wenn das Wasser freigegeben wird und in drei Stufen in die Tiefe donnert, ist das ein Moment, den man so schnell nicht vergisst.
Das Naturschutzgebiet rund um den Wasserfall bietet sechs markierte Wanderwege, von leicht bis anspruchsvoll. Familien mit Kindern kommen ebenso auf ihre Kosten wie erfahrene Wanderer.
5. Die Sibillinischen Berge – Wildnis im Herzen Italiens
Wer Umbrien jenseits der Kunstschätze erleben möchte, fährt in den Nationalpark der Sibillinischen Berge. Über 70.000 Hektar Wildnis erstrecken sich entlang der Grenze zwischen Umbrien und den Marken: dichte Wälder, Hochebenen mit bunten Blumenmeeren, der mystische Bergsee Lago di Pilato und eine Fauna, zu der Wölfe, Steinadler und Gämsen gehören.
Die Hochebene von Castelluccio di Norcia ist im Frühsommer berühmt für die sogenannte Fiorita – wenn Linsenfelder und Wildblumen gemeinsam erblühen, entsteht ein Farbteppich, der Fotografen aus ganz Europa anzieht.
6. Spoleto – zwischen Festival und Aquädukt
Spoleto ist eine Stadt mit zwei Gesichtern: Im Sommer gehört sie dem Festival dei Due Mondi, einem internationalen Kunst- und Kulturfestival von Weltrang. Den Rest des Jahres gehört sie vor allem den Reisenden, die das mittelalterliche Erbe für sich entdecken. Die Rocca Albornoziana, eine päpstliche Festung über der Stadt, bietet einen Panoramablick, der das gesamte Tal überschaut. Das römische Amphitheater, der Dom mit seinen Fresken von Fra Filippo Lippi und der Ponte delle Torri – ein gotisches Aquädukt aus dem 14. Jahrhundert, das in schwindelerregender Höhe das Flusstal überspannt – machen Spoleto zu einem echten Geheimtipp.
7. Gubbio – das mittelalterliche Fossil
Gubbio ist so gut erhalten, dass man das Gefühl hat, die Zeit sei hier einfach stehen geblieben. Die kleine Stadt im Norden Umbriens war im Mittelalter eine mächtige Commune und hat ihren Palazzo dei Consoli, den gotischen Hauptplatz und die Stadtmauern nahezu unverändert in die Gegenwart gerettet. Die Seilbahn auf den Monte Ingino, an dessen Gipfel die Basilika Sant'Ubaldo steht, ist ein Erlebnis für sich – die offenen Körbe sind nichts für schwache Nerven, aber die Aussicht entschädigt für alles.
Alljährlich im Mai findet hier die Corsa dei Ceri statt, eines der ältesten und wildesten Volksfeste Italiens: Riesige Wachsfiguren werden in halsbrecherischer Geschwindigkeit den Berg hinaufgetragen.
8. Spello – wo Blumen die Straßen bedecken
Spello liegt am westlichen Hang des Monte Subasio und ist eines dieser umbrischen Dörfer, in denen die Geranien aus jedem Fensterbrett quellen und die Gassen aussehen wie gemalt. Bekannt ist es vor allem für die Infiorata: An Fronleichnam legen die Bewohner kunstvolle Blumenteppiche auf den Straßen aus, ein Spektakel von enormem handwerklichem Aufwand und großer Schönheit.
Im Inneren der Kirche Santa Maria Maggiore finden sich Fresken des Pinturicchio, die zu den feinsten der Hochrenaissance zählen.
9. Norcia – die Heimat des Trüffels und des Schinkens
Norcia im Valnerina ist ein Pflichttermin für alle, die die kulinarische Seele Umbriens verstehen wollen. Hier wird der schwarze Trüffel gehandelt, hier werden die besten Norcini – Metzger und Wurstmacher – ausgebildet, hier gibt es Schinken und Salami von einer Qualität, die man selten anderswo findet. Der Name norcino als Synonym für den Fleischer ist im Italienischen bis heute lebendig.
Die Stadt wurde 2016 von einem schweren Erdbeben getroffen und baut sich seitdem langsam wieder auf. Norcia zu besuchen bedeutet auch, diese Wiedergeburt zu unterstützen.
10. Lago Trasimeno – Stille am Seeufer
Der Lago Trasimeno ist der größte See Mittelitaliens und ein Ort der Ruhe. Die drei Inseln – Isola Maggiore, Isola Minore und Isola Polvese – lassen sich mit kleinen Fähren erreichen. Auf der Isola Maggiore lebte einst der heilige Franziskus in einer Grotte und ein kleines Dorf mit handgewebten Spitzen erinnert noch heute an bessere Zeiten. Die Uferpromenaden von Castiglione del Lago und Passignano sind im Abendlicht schlicht wunderschön.
Umbrien lässt sich nicht in einem Tag erschließen. Die Region belohnt diejenigen, die langsam reisen, die auf Märkten schauen statt durch Museen zu hetzen, die an einem Dienstagmittag in einem Dorf einkehren und am Ende feststellen, dass sie gar nicht mehr weiterfahren wollen. Genau dafür ist ein Ferienhaus vor Ort der beste Ausgangspunkt – nicht als Basis für ein Abarbeitungsprogramm, sondern als Heimat auf Zeit in einer Region, die dieses Wort wirklich verdient.